Zeit vergeht…

Der letzte Beitrag datiert aus Februar 2022. Wo ist das Jahr 2022 geblieben, 2023 ist fast vorbei. Viel haben wir gemacht, erlebt. Nur um unseren Delighthouse Blog haben wir uns nicht gekümmert. Sind selbst viel gereist, hatten Besuch von Familie und Freunden, haben Geburtstage gefeiert und Jahreswechsel.

Endlich haben wir uns auf eine Vermietungsform unseres Hauses einigen können. Noch etwas zögerlich passen wir den Blog an, machen verschämte Werbung für Aufenthalte in unserem Haus. Mal sehen, was daraus wird. Gut Ding braucht Weile. Und auch wenn unsere Zeit endlich ist, lassen wir uns in diesem Punkt durchaus Zeit. Es hetzt uns ja keiner.

Shitwetter

Es stürmt, hagelt, regnet. Der Himmel ist grau, grauer, am grauesten. Mir graut es auch. Sonne sehen wir nur auf Fotos von Freunden, die der Tristesse in den Süden entflohen sind. Die vorwitzigen Krokusse bekommen noch mal Hagelkörner auf die lilafarbene Blütenmütze. Die Schneeglöckchen tragen die Wetterkapriolen mit mehr Fassung.

Da kommt eine Aufmunterung aus Ton in Form des kleinen, dickbäuchigen Wendlanddrachen gerade recht. Und das am Himmel fehlende Blau zaubert eine Tonkugel in den Vorgarten. Alles entstammt den Händen von Arndt Böhm, Inhaber der Manufaktur und u.a. hier erhältlich: https://www.boehm-keramik.de/drachen/

Kuckuck

„Kuckuck…kuckuck….“ nur der Ruf des Vogels und das klappern der Nordic-Walking Stöcke auf dem Asphalt des Weges sind zu hören. Ansonsten ist es ein stiller, sonniger Montagmorgen. Noch etwas verschlafen wirkt er, wenige Menschen sind unterwegs abseits der Hauptstrasse. 

Kein Windhauch kräuselt das Wasser der alten Allerarme und der Entwässerungskanäle. Vogelgezwitscher, ein einzelnes Reh zieht durch die halbhohen Halme eines Ackers. knallgelber Raps, der blaue Himmel und das frische grün der Bäume halten dagegen, machen die Farbkomposition perfekt. 

Mein Rundweg führt mich durch die Marsch, über den Friedhof von Daverden, vorbei am liebevoll renovierten alten Küsterhaus. Daneben steht eine uralte, hohle Linde. Über 900 Lebensjahre werden ihr nachgesagt. Unter ihr darf man nur die Wahrheit sagen und früher sollen Kinder im hohlen Stamm gespielt haben. Heute laden verschiedene Sitzgelegenheiten rund um die Linde zum Ruhen ein, zum Innehalten und Aufnehmen der Natur mit allen Sinnen. Weit geht der Blick von hier oben über die Marsch, über Wiesen, Felder, Knicks und Obstbäume. Der Morgentau glänzt in der Sonne auf dem Gras.

Ein unaufgeregter Morgen in der Stille der Felder. Fast wirkt er wie ein verschlafener Sonntagmorgen. Dann ist die neue Arbeitswoche aufgewacht und hat an Fahrt zugelegt. Ich bin wieder im Ort angekommen. Jugendliche laufen krakeelend durch die Gegend, sitzen auf der Treppe zur Turnhalle und werfen mit lauten Halbsätzen um sich, ein Bagger lärmt auf dem Gelände, Autos eilen die Hauptstrasse entlang, unwillig vor der Ampel haltend weil wieder einmal ein Fussgänger die Strasse queren möchte. 

Verzaubert-verzückt-verschneit

Verden, unsere Kreis- und Nachbarstadt, wirbt mit verschiedenen VER-Wörtern: verliebt, verheiratet etc. Wir sind heute verzaubert-verzückt weil verschneit. Das eintönige braun-grün, die kahlen Äste der Bäume, die schmucklosen Überreste der Sommerstauden – alles präsentiert sich heute in weiss.

Im November 1962 hab ich das Licht der Welt ebenfalls mit viel weiss erblickt. Meterhoch sei damals der Schnee gelegen, Ausfahrten mit dem Kinderwagen war schier unmöglich. Ob meine Liebe, die Faszination die Schnee auf mich ausübt, daher rührt?

Ein Winter ohne Schnee ist jedenfalls kein richtiger Winter und seit Jahren träume ich schon davon, ein Weihnachtsfest und den Jahreswechsel in einer einsamen Hütte irgendwo in den Bergen mit viel Schnee zu verbringen.

Bis dieser Wunsch sich erfüllt, sitze ich halt auf der Couch vorm wärmenden Kaminfeuer und geniesse den Blick in unseren verschneiten Garten. Hat auch was 😉

Mein Freund, der Baum

Bäume sind für uns elementar und wir bauen in der Regel intensive und sehr persönliche Beziehungen zu Ihnen auf. Sie wachsen uns ins Herz hinein und sind nicht nur auf Zweckmäßigkeit reduziert. Umso schwerer fällt es uns, Abschied zu nehmen von zwei solcher Exemplare. Unser Kirschbaum steht nun schon mindestens 50 Jahre im Garten (genaues weiss keiner), hat uns schon bei der ersten Besichtigung verzaubert und macht uns nun durch vermehrte Blatt- und Fruchtlosigkeit sowie tote Äste darauf aufmerksam, dass seine Zeit wohl gekommen ist. Nachdem auch der Baumschule-Experte uns versicherte, dass ein Kirschbaum eine Lebenserwartung von maximal 60 Jahren hat, entscheiden wir uns für eine Fällaktion.

Auch die von selbst gewachsene Eiche muss weichen. Sie hat sich einen Standplatz zu nah am Haus ausgesucht. Wir hätten ihr diesen Platz nie zugewiesen. Was unserer Terrasse im Sommer angenehmen Schatten spendet und ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt. Aber das Wurzelwerk streckt sich massiv in Richtung Haus und auch die Krone überragt bereits die Dachrinne. Schweren Herzens heisst es auch hier „Baum muss fallen“. Kleiner Trost: es wird für Beide Ersatz geben. Aber bis die Nachfolger sich einen festen Platz in Garten und unseren Herzen erobert haben, werden wir noch oft wehmütig an die Vorgänger denken.

Herbst

Es wird grau am Himmel obwohl der November 2020 uns bislang mit angenehmen Temperaturen und relativ viel Sonne verwöhnt. Aber irgendwann ist es halt doch soweit und die Zeit des Ofenfeuers, der Lichterketten und Kerzen beginnt.

Die Bäume im Garten werfen ihr Laub nach einem fulminanten Farbrausch im heftig wehenden Wind von sich, ein neuer Kirschbaum wird gepflanzt und ergänzt damit unser Obstbaumsortiment, das schon aus einem Säulenapfel, einer Säulenbirne, einer Birnenquitte, einem uralten Apfelbaum und einer kleinen Pflaume besteht. Wenn alles so gedeiht, wie die seit 2008 entlang des Zauns gepflanzten Sträucher und Bäume, dann dürfen wir uns bald auf eine reiche Obsternte freuen.

Besuch vom blauen Bus

„Jiffjiffjiff“ … noch bevor wir ihn sehen, hören wir den blauen Bus. Genauer gesagt die Insassin: Hilde flippt schier aus vor Begeisterung, als sie realisiert, dass der blaue Bus samt Besatzung wieder in unserem Garten stehen wird. Ein Garten nach Hildes Geschmack: mit ordentlich Leben vorm Zaun, dass man tapfer verbellen kann. „Jetzt bin ich hier, wagt euch ja nicht näher, das ist jetzt mein Reich“. Mit Stöcken, Tennisbällen, Hecken in denen Frau Hund nach Herzenslust herumrascheln kann. Mit dem Duft nach Katzen und nach dem Nachbarskind den man ebenfalls ordentlich die Meinung geigen kann. Mit Wassernapf und seit heute haben die Gastgeber dann auch endlich mal für Hundeleckerlis gesorgt! Wortreich hüpft Hilde an uns hoch, verteilt begeisterte Hundeküsse und strahlt übers ganze Hundegesicht. Rein, raus, Treppe hoch, gucken, ob alles noch so ist wie beim letzten Mal. Mist, die haben die schöne Stofftiersammlung verräumt, zappele ich halt ein benutztes Papiertuch aus dem Korb. Komisch, die Begeisterung der Zweibeiner hält sich in Grenzen. Hilde jedenfalls findet es toll bei uns und ist auch schnell auf der couch angekommen. Was unser eigener Hund eher nicht dürfte, darüber sehen wir beim Besuchshund grosszügig weg. 

Dem Besuch zuliebe frösteln wir dann auch leicht bei geöffneter Terrassentür vor uns hin. Der Besuch draussen in der frischen Luft, wir drinnen, gibt es Rotwein und interessante, lockere Gespräche. Coronazeiten machen Begegnungen im Herbst nicht gerade einfach. Da ist der Besuch gleich doppelt froh über ein Gästebad zur alleinigen Nutzung. Hilde ist dagegen irritiert: wo iss er denn hin??? Sie fiept vor der Tür, ich weiss natürlich nicht, was sie will. Beim nächsten Badaufenthalt des Herrchens ist sie aber schon deutlich entspannter, verbellt nur noch ihr Spiegelbild in der Terrassentür und imaginäre Besucher in der Dämmerung des Gartens. 

Den Spaziergang entlang der Grenze von Marsch und Wohngebiet und die damit verbundenen Hundebegegnungen geniesst sie ebenfalls sehr. Für Hilde ist die Hundewelt in Ordnung. Manchmal könnte ich mir ein Hundeleben vorstellen. Oder reicht es vielleicht schon, sich öfter mal ein Beispiel an unseren vierbeinigen Weggefährten zu nehmen? Sich aufs wesentliche konzentrieren, gelassener werden aber trotzdem das eigene Zuhause „verteidigen“ ;-). 

Wir freuen uns jedenfalls über unseren Besuch, über den menschlichen und den hündischen. 

Ihr wisst gar nicht, wer Hilde ist und ihr Herrchen Peter? Warum die im blauen Bus unterwegs sind und wohin es sie so treibt, das erfahrt ihr hier

365 Spaziergänge mit Hilde

Sommer

Es ist Sommer und wir haben unser Delighthouse wieder in Besitz genommen. Renoviert, frische Farbe auf die Wände und den grau und trostlos wirkenden Holzboden wieder zum Strahlen gebracht. Die Eingangstüren sind farblich den Fenstern angepasst, die Terrassenplatten vom jahrelangen Schmutz und Moos befreit (meine Fusssohlen spüren nun sehr deutlich die einzelnen Steine der Waschbetonplatten). Und wir haben zwei Gästezimmer! Ein Platz im Garten fürs Wohnmobil, das eigene oder auch mal für Durchreisende, Freunde oder solche die es noch werden. Reisen mit dem Wohnmobil bleiben da etwas auf der Strecke. Dafür erfreuen wir uns an Eichhörnchen, Igel und den zahlreichen Vögeln, die unseren Garten sehr mögen. Frühstücken unter der Markise draussen auf der Terrasse und geniessen das viele Grün um uns herum.

Veränderungen

Das Delight-House hat sich wieder etwas verändert. Neue „Augen“ (Fenster) hat es bekommen. Innen weiss, aussen in einem lichten grau. Die einzige farbige Alternative für uns. Jetzt müssen noch die Haustür und das nicht ausgetauschte Küchenfenster farblich angepasst werden.

Eine Aussentreppe ziert jetzt den Westgiebel und ermöglicht einen separaten Zugang zum neu geschaffenen Appartment unterm Dach. Zur Zeit von uns selbst bewohnt, wird es ab Juli einem Mieter Obdach bieten. Wir ziehen dann ins eigentliche Haus um – Veränderungen, die wir nicht so schnell eingeplant hatten. Der Mensch plant, das Leben auch, der Mensch plant um und passt sich an. Dank Corona sind unsere eigenen Reisepläne erst einmal auf Eis gelegt, der Umzug dagegen wird wohl (hoffentlich) wie geplant durchgeführt. Und wer weiss, was der Sommer bringt. Wir jedenfalls freuen uns, aufs Delight-House, auf mehr Platz, auf neue-alte Möbel und Dinge, die viele Jahre in Kartons ihr Dasein gefristet haben.

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