„Jiffjiffjiff“ … noch bevor wir ihn sehen, hören wir den blauen Bus. Genauer gesagt die Insassin: Hilde flippt schier aus vor Begeisterung, als sie realisiert, dass der blaue Bus samt Besatzung wieder in unserem Garten stehen wird. Ein Garten nach Hildes Geschmack: mit ordentlich Leben vorm Zaun, dass man tapfer verbellen kann. „Jetzt bin ich hier, wagt euch ja nicht näher, das ist jetzt mein Reich“. Mit Stöcken, Tennisbällen, Hecken in denen Frau Hund nach Herzenslust herumrascheln kann. Mit dem Duft nach Katzen und nach dem Nachbarskind den man ebenfalls ordentlich die Meinung geigen kann. Mit Wassernapf und seit heute haben die Gastgeber dann auch endlich mal für Hundeleckerlis gesorgt! Wortreich hüpft Hilde an uns hoch, verteilt begeisterte Hundeküsse und strahlt übers ganze Hundegesicht. Rein, raus, Treppe hoch, gucken, ob alles noch so ist wie beim letzten Mal. Mist, die haben die schöne Stofftiersammlung verräumt, zappele ich halt ein benutztes Papiertuch aus dem Korb. Komisch, die Begeisterung der Zweibeiner hält sich in Grenzen. Hilde jedenfalls findet es toll bei uns und ist auch schnell auf der couch angekommen. Was unser eigener Hund eher nicht dürfte, darüber sehen wir beim Besuchshund grosszügig weg.
Dem Besuch zuliebe frösteln wir dann auch leicht bei geöffneter Terrassentür vor uns hin. Der Besuch draussen in der frischen Luft, wir drinnen, gibt es Rotwein und interessante, lockere Gespräche. Coronazeiten machen Begegnungen im Herbst nicht gerade einfach. Da ist der Besuch gleich doppelt froh über ein Gästebad zur alleinigen Nutzung. Hilde ist dagegen irritiert: wo iss er denn hin??? Sie fiept vor der Tür, ich weiss natürlich nicht, was sie will. Beim nächsten Badaufenthalt des Herrchens ist sie aber schon deutlich entspannter, verbellt nur noch ihr Spiegelbild in der Terrassentür und imaginäre Besucher in der Dämmerung des Gartens.
Den Spaziergang entlang der Grenze von Marsch und Wohngebiet und die damit verbundenen Hundebegegnungen geniesst sie ebenfalls sehr. Für Hilde ist die Hundewelt in Ordnung. Manchmal könnte ich mir ein Hundeleben vorstellen. Oder reicht es vielleicht schon, sich öfter mal ein Beispiel an unseren vierbeinigen Weggefährten zu nehmen? Sich aufs wesentliche konzentrieren, gelassener werden aber trotzdem das eigene Zuhause „verteidigen“ ;-).
Wir freuen uns jedenfalls über unseren Besuch, über den menschlichen und den hündischen.
Ihr wisst gar nicht, wer Hilde ist und ihr Herrchen Peter? Warum die im blauen Bus unterwegs sind und wohin es sie so treibt, das erfahrt ihr hier
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